My Life In London

Ein kleiner Auszug aus meinem Leben hier in London, nachdem ich Duesseldorf und meiner Heimat den Ruecken gekehrt habe ...

Wednesday, September 06, 2006

Abwege

"Gott, Kind, ist dir nicht kalt in diesem Sommerhemdchen?"
.. so sprach mich eine nette Mittsiebzigerin an, als ich in South Kensington auf den C1er Bus wartete.
Sie war eine dieser lieblichen alten Damen, denen die Einsamkeit ins Gesicht geschrieben steht und die mit jedem Wort das man ihnen widmet aufzubluehen scheinen.
"Deine Uhr ist aber huebsch. Sehr modisch" und dann wollte sie ueber die Busse reden, die Busfahrer die so ruecksichtslos sind, die Kinder die von ihren Eltern nicht anstaendig angezogen werden, die Fahrplaene denen man nicht glauben kann, die Geschaefte mit ihren unmoeglichen Oeffnungszeiten und nicht zuletzt der Wandel der Zeit, welcher kleine, reizende, alte Damen manchmal zu vergessen scheint.. so als waeren die letzten 80 Jahre nicht mehr entscheidend, so als waeren sie nie dagewesen...

London ist manchmal verrueckt und das im wahrsten Sinne des Wortes - ver-rueckt - weggerueckt von dem was man erwartet, vermutet oder glaubt und das ist es was ich an dieser Stadt so liebe. Man kann tausend Mal zu ein und der selben Stelle gehen und jedes Mal ist es anders, man weiss nie was einen erwartet.. und so wird es selten langweilig.
Am Trafalgar Square war am Samstag ein Fest fuer Behinderte organisiert, mit Programm, Musik und Verkaufszelten.
Als ich mich kurz zu einigen Schaulustigen stellte um die Proben einer Tanzgruppe zu begutachten war dort dieser .. Mann. Inder, um die 30.. Einer von diesen "guck-ihn-nicht-an-sonst-wirst-du-ihn-nicht-mehr-los"-Glitschtypen. Beim Umdrehen krachte er natuerlich prompt in mich rein, was er wohl dann auf den zweiten Blick ganz amuesant fand - ich aber nicht - und dementsprechend habe ich ihn auch angeschaut. Als er mir dann noch auf die Fuesse trat konnte ich mir ein "ouch" mit dementsprechenden Schlangenblick nicht verkneifen und das war ein Fehler. Nach etwa 15 min fiel mir ploetzlich auf, dass er mich die ganze Zeit verfolgt hatte und ich bekam dann alle paar Schritte nette Ausdruecke wie "Scheiss Schlampe" und "Arrogante Sau" um die Ohren geschmissen, waehrend er keine Anstalten machte von meiner Seite zu weichen.
Waere es dunkel und ich allein gewesen, haette ich sehr wahrscheinlich Angst bekommen, aber der Tatsache entgegen blickend, dass nur ein paar Meter entfernt Community Support Officers und Hilfsorganisationen gecampt haben, habe ich lediglich Wut bekommen.
"Pass lieber auf, sonst hol ich die Polizei"
"Pass du lieber auf, sonst erlebst du was" kam daraufhin von ihm...
"Was ist los, ist dir schlecht?"
"Allerdings. Mir wird schlecht wenn ich dich sehe" konnte ich mir dann trotz meiner *raeusper* guten Erziehung nicht verkneifen.. und nach einem kurzen Gespraech mit einem uniformierten zweimeter Farbigen hat sich mein Verfolger letztendlich dann auch aus dem Staub gemacht. Nach dieser Aktion und einem bemitleidenden Blick von ein paar Umherstehenden hat mir dann irgendwie selbst mein geliebtes Subway Sandwich nicht mehr geschmeckt *g*

Ich habe allerdings rausgefunden, dass es in London tatsaechlich gutaussehende Busfahrer gibt. Und da ich viel mit dem Bus fahre, hat mich dann wieder getroestet (Nein, Scherz).

Die Woche hat ziemlich beschaeftigt begonnen und obwohl ich es lieber den ganzen Tag in Bewegung und unterwegs zu sein, hat es mich ein bisschen ermuedet. Die Arbeit ist absolut in Ordnung und es ist nicht so, dass es mir nicht gut geht - allein die Energie geht mir im Moment etwas ab und ich habe zum Teil das Gefuehl nicht genug Zeit fuer mich selbst zu haben, d.h. mich ein wenig zu verlieren, aber ich denke das gibt sich wieder.

Gestern waren L. und ich bei einem weiteren Konzert der "BBC PROMS" in der Royal Albert Hall, das wir trotz der etwas stickigen Luft im zweiten Akt *hust* sehr genossen haben.
Es macht wirklich Spass mit L. was zu unternehmen. Dabei wird selbst jede Fahrt mit der Tube zum Abenteuer *lol* und ich bin mir sicher, dass wir die Leute um uns herum mit Geschichten von diversen sardistischen Lehrern und Teenieschwaermen auch sehr unterhalten haben *g*
Auf dem Rueckweg mussten wir einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, da ein "Motorrad vs Auto" Unfall nicht nur drei komplette Spuren lahm gelegt und einen Grosseinsatz von Londons Einsatzkraeften inkl. Feuerwehr verursacht hatte, sondern folglich auch unseren Bus auf Um- und Abwege geschickt hat, so dass wir ihn erstmal suchen mussten.
"Ich will noch nicht sterben" (ggg) war L.'s Reaktion.. Wir waren etwas spaet am Ende und ich habe "LOST" verpasst *brrr* Das war wirklich eine Tragoedie:-)

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